Momentan herrschen schwierige Lawinenverhältnisse. Wie ist die Situation, wie wird sie sich entwickeln und wie solltest du deine Touren planen?

In den Alpen ist die Lawinensituation angespannt. Davon zeugen auch die Unfälle der vergangenen Tage. Der Grund ist eine erhebliche Lawinengefahr durch ein Altschneeproblem. Das bedeutet, dass die Schneedecke aus mehreren Schichten besteht, die aufeinander aufbauen, aber schlecht miteinander verbunden sind – sogenannte Krusten. "Zwischen diesen Schichten können sich kantige Kristalle bilden, die wie ein Kugellager wirken. Man spricht deshalb auch von einem „Krusten-Sandwich“. Kommt jetzt der Druck eines Skifahrers – zum Beispiel bei einem Stoppschwung – auf die Schneedecke, kann es sein, dass eine dieser Schichten bricht und ein möglicherweise frisches Triebschneepaket abgleitet, sofern der Hang steil genug ist", erklärt Stefan Winter, Leiter des Ressorts Sportentwicklung beim DAV. Das Tückische ist: Diese Zwischenschichten sieht man von außen nicht. Dafür muss man in die Schneedecke graben und jeweils den Einzelhang beurteilen.

Wie ist die Lage und wie wird sie sich entwickeln?

Im Westen Tirols, im Salzburger Land auf der Nordseite der Hohen Tauern, in der Schweiz und in Frankreich besteht teilweise eine erhebliche Lawinengefahr (Warnstufe 3). In Bayern und in den restlichen Alpen, zum Beispiel in Südtirol, ist die Gefahr verbreitet gering bis mäßig. Die Prognose deutet auf weitere Tage mit stabilem Hochdruckwetter hin. Das führt nachts zu tiefen Minusgraden. Tagsüber kommt es zu Schmelzprozessen, sodass wieder Wasser in der Schneedecke ist, das anschließend überfriert und erneut eine Kruste bildet – was bei Neuschnee ungünstig sein kann.

Wie solltest Du auf Ski unterwegs sein?

"Wer jetzt eine Skitour plant, sollte unbedingt Lawinennotfallausrüstung dabeihaben, defensiv planen und vor allem an das Altschneeproblem denken: eher flach unterwegs sein", empfiehlt Stefan Winter. Aufpassen muss man auch auf die sogenannten „Sharks“, herausragende Felsblöcke. Dort kann man bei einem Sturz hart aufschlagen, da insgesamt recht wenig Schnee liegt. "Pistenskifahrer bleiben am besten auf der Piste. Die ist verkehrssicher. Spuren rechts und links sind keine Garantie, dass der Hang hält – gerade wenn ich als Zweiter vielleicht die nächste Spur weiter links ziehen will. Also auch hier bitte defensiv unterwegs sein."

Was musst Du beim Wandern beachten?

Beim Wandern sind die Probleme nach wie vor Eisplatten und überfrierendes Wasser – überall dort, wo es schattig ist. "Ich empfehle, Grödel mitzunehmen: Das sind Schneeketten, die man mit Gummibändern über die Schuhe spannen kann. Außerdem Stöcke. Wer höher hinaus will, kann sogar leichte Steigeisen gebrauchen. Dazu Biwaksack, Erste Hilfe, Handy und Powerbank", so Stefan Winter. Und nicht vergessen: Zurzeit wird es ab halb sechs dunkel. Man sollte seine Tour so planen, dass man etwa eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Ausgangspunkt ist.

Hier gehts zur Pressemitteildung mit weiterführenden Links auf der Homepage des DAV Hauptverbands.

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